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Stefanie Werner vom Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich vor allem wissenschaftlich mit dem Thema Meeresschutz. Sie studierte zunächst Biologie, Geografie und Publizistik und danach über einen Aufbaustudiengang Europäisches Umweltrecht. Die folgenden Jahre erforschte sie im Freiland das Verhalten von Walen und Delfinen und arbeitete als Meereskampaignerin für Greenpeace. In dieser Zeit war sie viel auf den Ozeanen unterwegs, sah unter anderem Delfine und auch heimische Schweinswale, die in aktiv fischenden oder verlorenen und verlassenen Fischernetzen als Beifang qualvoll ertrunken und Seevögel, die mit gefülltem Magen infolge eines ständigen Sättigungsgefühls verhungert waren. Das Problem: die Mageninhalte bestanden zum großen Teil aus Kunststoffteilen. Eindrücke, die sie nie vergessen konnte. 

2010 begann sie dann mit ihrer Arbeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Meeresschutz am UBA und kann sich seitdem der Erarbeitung von Lösungen, um weitere Einträge insbesondere von Kunststoffmüll in die Meere zu verhindern, noch intensiver widmen. Sie hat eine Co-Leitungsfunktion der technischen Arbeitsgruppen der EU und OSPAR (für den Nordost-Atlantik) und der nationalen BLANO Fach-AG zu Meeresmüll inne und kümmert sich weiterhin um die Geschäftsführung der Arbeitsgruppe Landbasierte Einträge des Runden Tisches Meeresmüll, den es seit 2016 gibt. Meeresmüll ist ein äußerst komplexes Problem, da es zahlreiche Quellen und Eintragsfade gibt. Mittlerweile wirken rund 130 Experten*innen am Runden Tisch mit, unter anderem Vertreter*innen aus der Fischerei, der Schifffahrt, der Kunststoffindustrie, dem Einzelhandel, von Umweltverbänden und der Wissenschaft. 

Da aber zu viel Theorie auch nicht gut ist, taucht sie weiterhin regelmäßig als Forschungstaucherin für das UBA ab und ist dabei unter anderem an Projekten beteiligt, um verloren gegangenes oder verlassenes Fischereigerät und insbesondere sogenannte Geisternetze aufspüren und in Folge zu bergen. 

Stefanie Werner begleitete fachlich die Entwicklung unseres KursWechsel-Kartensets

Drei Fragen an Stefanie Werner

Was haben Sie bei KursWechsel von den Schüler*innen gelernt?

Jack Johnson, der wunderbare Singer-Songwriter, engagiert sich sehr zum Thema Meeresvermüllung und fragt in einem seiner Lieder, ob wir der nächsten Generation sagen wollen, dass unsere Bequemlichkeit wichtiger war als ihre Zukunft? Dabei meint er all die verzichtbaren Einwegplastikprodukte, die oft nach nur wenigen Minuten einmaligem Gebrauch achtlos in der Umwelt entsorgt werden, da sie scheinbar keinen Wert haben. Nachdem die Schüler*innen die negativen Auswirkungen von Meeresmüll verstanden hatten, waren sie sofort bereit, auf diese Produkte verzichten, bei Erwachsenen erlebt man dort oft viel mehr Zögern. Und hatten außerdem wunderbare innovative Ideen, wie man Abfälle ganz vermeiden könnte.  

Welchen Schritt wünschen Sie sich für einen gesellschaftlichen Kurswechsel?

Meeresmüll ist eine Folge der Produktions- und Konsummuster unserer Wergwerfgesellschaft. Für einen gesellschaftlichen Kurswechsel wünsche ich mir, dass sich alle Akteure entlang der Produktionskette zusammensetzen und Produkte von Grund auf neu denken und entwerfen. Dass insbesondere diejenigen, die die Produkte auf den Markt bringen, Verantwortung für deren weiteren Lebensweg übernehmen. Denn der Fisch stinkt ja vom Kopf her. In der Designphase eines Produktes kann man bestimmen, ob es reparabel, schadstofffrei, wiederverwendbar und insgesamt dazu angetan ist, später keine negativen Umweltfolgen zu entfalten. Außerdem wäre es wichtig, dass der sogenannte Verbraucher, also jeder von uns, öfter mal innehält und hinterfragt, ob er wirklich schon wieder etwas Neues konsumieren muss.

Ihr Tipp: Was kann jede*r Einzelne zum Schutz der Meere tun?

Da gibt es viele Möglichkeiten: die Vermeidung von Einwegplastik ist oft leicht machbar, da es beispielsweise Mehrweggeschirr, -taschen oder auch Mehrwegflaschen als Alternative gibt. Aber auch der sorgsame Umgang mit Abfällen ist wichtig. Ein Beispiel sind Zigarettenkippen, die auch aus Kunststoff, nämlich Celluloseacetat bestehen.  Das braucht jahrelang, ehe es sich  abbaut. Zudem enthalten die Filter hunderte giftiger Chemikalien. So hat ein Experiment gezeigt, dass die Hälfte vom Fischen nach vier Tagen in einem Wassertank starben, indem zuvor für einen Tag eine Kippe pro Liter geschwommen war. Apropos Fisch: es reicht nicht, ein Problem verstanden zu haben, denn die Meere leiden unter vielen menschlichen Belastungsfaktoren. Zum Beispiel sind viele Fischbestände überfischt, viele Meerestiere sterben unnötig durch destruktive Fischereimethoden. Kauf- und Konsumentscheidungen sollten mit großem Respekt vor der Mitkreatur getroffen werden.  

 

Stefanie Werner

Schule

Sekundarschule "Am Burgtor" in Aken

Expertise

Meeresschutzexpertin am Umweltbundesamt

Geschäftsführung der Arbeitsgruppe Landbasierte Einträge des Runden Tisches Meeresmüll

professionelle Forschungstaucherin

arbeitete als Meereskampaignerin für Greenpeace